Als ich dreizig war fand ich in einer Buchhandlung ein Buch, das mein Leben veränderte: Der Weg des Künstlers von Julia Cameron . Seither begleitet es mein Leben und ist das am öftesten gelesene Buch in meinem gut bestückten Bücherschrank.
Eines meiner liebsten Rituale aus dem Buch ist das Treffen mit meinem inneren Künstlerkind.

Was ist ein Künstlertreff?

Es ist eine einmal pro Woche stattfindende Verabredung mit sich selbst. Bei diesem Treffen mit dem inneren Künstlerkind geht es darum etwas zu erkunden, was einen interessiert. Auch die Anregung zum Spielen kann ein Ausgangspunkt sein. Damit wird das innere Künstlerkind genährt. Julia beschreibt dieses Treffen mit sich selbst in ihrem Buch als einen Prozess, der zwei Schritte umfaßt und in zwei Richtungen wirkt: nach Außen und nach Innen. Es geht um die Anregung der Phantasie. Die gute Laune soll gesteigert werden. Die Kunst ist ein Spiel mit Ideen. Mit dem Künstlertreff füttern wir unsere kreative Arbeit. Damit füllen wir den inneren Brunnen immer wieder mit neuen Bildern und Inspiration auf.

Treffen mit meinem inneren Künstlerkind

Ich entführte meine innere Künstlerin in den letzten Wochen an drei ganz unterschiedliche Orte. Hören Sie zu, was mein Künstlerkind über diese gemeinsamen Ausflüge zu berichten hat:
Vivienne Westwood Film: “So wie Vivienne alt zu werden ist ein Hit! Die Ausschnittkrägen müssen immer breit sein und die Abschlüsse immer edgy (ein Möglichkeit der Erklärung dieses Begriffs gibt es bei Oceanblue Style at Manderley)
Vivienne trägt zu Muster Streifen und zu dickem Wollstoff zartes, durchsichtiges Gewebe. Oder Halbarm-T-Shirts und lange Handstulpen, die noch etwas Haut am Oberarm sichtbar werden lassen. Auffällige Farbe steht ihr gut.
Wow, die Form der Brille ist großartig. Wo kann man denn eine Brillenfassung finden, die genau der eigenen Haarfarbe entspricht?”


Koloman Moser im MAK Wien: “Ein Universalkünstler um die Jahrhunderwende 19. Jhd zum 20. Jhd also. Aja, das kann ich sehen: Malerei, Grafik, Kunstgewerbe, Interior design, Mode und Bühnenbild. Die Echsen und Spinnen auf seinen marmorierten Papieren, die er im Sinne der Klecksographie bearbeitete klingen spaßig. Das probiere ich aus, wenn ich das nächste Mal im Atelier bin. ” (Ursprünglich entstanden sie als Nebenprodukt beim Schreiben mit der Feder. Die Tintenkleckse wurden mit wenigen Strichen zu Figuren verändert)

Die Glasfabrik: “Ich bin aufgeregt. Sie sind umgezogen an einen neuen Standort. Und…und…und? Woooooow, das ist gut!!
Heute will ich in einer blau-weiss-karierten Schürze im dritten Stock, vorbei an den Frühlingsblühern alle Schubladen der weissen Kredenzen öffnen.
Vielleicht ist da, hinter der klemmenden Schublade, eine geheime Botschaft für mich versteckt?
Ist das rot gestickte SCP auf der Leinenserviette das Monogram von Sir Carl Popper?
Hmmm, was genau ist das denn? Sieht aus wie ein Trichter, nur mit einem Hahn zum Schließen und Öffnen. Wozu dient denn der….? Ooooh Vorsicht! Klebt da noch Gift dran?
Oh ja hier bin ich im Paradies. Kann ich bitte einziehen….?
Schau dort, die schönen Stühle. A U S P R O B I E R E N. Ja man sitzt gut…hoppla da entsteht ja gerade eine Geschichte in meinem Kopf…”

” Martha griff nach unten an das Stuhlbein, um ihre zitternde Hand zu verstecken. Hans sah sie lange fragend an. Hatte er ihr Geheimnis entdeckt? Dann sagte er ohne großes Interesse: “Was gibt´s denn zu essen?”

Aus meinem am Anfang der Woche entstandenen Blattmuster wurde am Ende der Woche ein Blättergarten, der ganz spielerisch ein Davor und ein Dahinter freilegt.

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