Ich lebe an einem Ort, an dem die Palme, wegen den intensiven Jahreszeiten nicht verbreitet ist. Die meisten davon kenne ich nur aus Büchern. Trotzdem fasziniert sie mich. Ganz besonders begeistert mich die Verschiedenartigkeit der Samenstände.

Die Prestoea ensiformis und Was sie für mich getan hat

Die Heimat dieser Palme liegt in den Anden (von den westlichen Anden in Kolumbien und Ecuador bis zu östlichen Anden in Peru).

Mein Wochenmuster ist von ihrem Samenstand inspiriert. Die Bewegung und das pulvrige Wesen der Samenstände waren mir dafür eine Inspiration. Passend zum Herbst und der Jahreszeit der Veränderung hab ich drei Stadien gedruckt:
Frisch | in vollem  Leben | Verbraucht

Was nun hat aber dieser Palmensamen für mich getan?

Die Palme kenne ich nicht. Ich hab sie bisher nur auf Abbildungen gesehen und ich hab trotzdem zu ihr eine Beziehung aufgebaut. Etwas an ihrem Aussehen spricht mich an. Es fasziniert mich. Es hat mich motiviert mich mit der Form auseinander zu setzen. Aus dieser Auseinandersetzung ist dann etwas entstanden mit dem ich zufrieden bin, obwohl ich die Palme noch nie in ihrem natürlichen Umfeld, in ihrer ganzen Größe gesehen habe.

Was ich damit sagen will, ist folgendes: ich sehe etwas, höre etwas, bekomme etwas erzählt und trete damit in Resonanz. Ich entscheide ob es gut oder ob es nicht gut ist. Dabei werde ich innerlich von meinem Wertesystem, aber auch von Meinungen im Außen unterstützt. Das klingt so, als ob das sehr hilfreich und einfach wäre. Es lohnt sich allerdings ein genauerer Blick darauf.

In Wahrheit bin ich ein Konvolut an Glaubenssätzen, denen ich meist ohne Reflexion folge. Da gibt es zB Sätze wie
– das kannst du nicht mehr machen, weil du zu alt bist oder
– du bist, weil du kein 0-size Modell bist nicht schön genug oder
– du bist nur eine Frau
In Verbindung mit dem Thema Geld kann ich auch Sätze finden, die ich mich hier gar nicht öffentlich zu verbalisieren traue.

Interessanterweise fällt auf, dass die Glaubenssätze, die ein negatives Vorzeichen tragen viel mehr meiner Gedankenenergie verwenden, als diejenigen, die ein positives Vorzeichen tragen. Wichtig hierfür ist vielleicht der Hinweis, dass ich ein sehr positiver Mensch bin und selten an meinen Situationen verzweifle. Man sieht es mir also im Außen gar nicht wirklich an mit welchen innerlichen Kämpfen ich zu tun habe.
Seit längerem stelle ich mir allerdings schon die Frage, ob es auch eine einfachere und liebevollere Art zu leben gibt.

Die Glaubenssätze, nach denen ich lebe, hab ich mir in meiner Vergangenheit angeeignet. Viele davon sind tatsächlich unreflektiert. Manche hab ich allerdings auch schon als nicht mehr gültig identifizieren können.  Im ersten Moment spüre ich da immer eine Erleichterung. An einigen halte ich dann aber trotzdem fest. Warum ist das so?

Ich hab für mich heraus gefunden, dass mir das Unbekannte, Nicht-Einschätzbare Angst macht und das es mir eine vermeintlich größere Sicherheit gibt, wenn ich an dem alten Glaubenssatz festhalte. Allerdings kann ich auch sehen, dass mir ein bewusst als nicht mehr richtig erkannter Satz auch Schwierigkeiten bereitet. Er lässt sich nämlich nicht mehr einfach als gegeben hinnehmen, sondern taucht immer wieder mit dem Hinweis “Ich stimme gar nicht mehr….” auf. Was also bleibt da übrig?
Ich muss also doch hinaus in das Unbekannte und mich bewegen. Mich auf die Faszination des Neuen einlassen und sehen was passiert.

Mir wurde gesagt, dass der Schritt in die Selbstständigkeit eine Auseinandersetzung mit sich selbst bedeutet und es stimmt.
Ich hab vor langer Zeit schon gespürt, dass ich das machen will, aber es war wie mit der Palme, ein theoretisches Denken. Jetzt stecke ich mitten drin in der Praxis. Ich kann sofort sehen, was das Resultat ist, wenn ich diese oder jene Entscheidung treffe. Dann ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich immer eine Entscheidung treffe  – auch dann wenn ich stehenbleibe und am vermeintlich guten Alten festhalte, oder an einem Glaubenssatz, der nicht mehr stimmt.
Worin ich mich jetzt übe ist ein Vertrauen zu bekommen in das was ich tue und dass es einen Sinn hat.
Ich glaube dann kann ein Gefühl von leichter und liebevoller in meinem Leben entstehen. Darum geht mein heutiger Dank an den Samen der Palme.

3 thoughts on “#6/52 weeks of printmaking: Samen | Ein Umgang mit Glaubenssätzen”

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